China wird auf einmal gläubig


So plakativ die Überschrift zunächst wirken und klingen mag. Tatsächlich öffnet sich die Volksrepublik China in immer neuen Bereichen für die neuen Bedürfnisse der Bürger. Bisher hatten es religiöse Menschen im Reich der Mitte – je nach Ausrichtung des Glaubens – nicht gerade leicht, wenn sie ihren Glauben wirklich ausleben wollten. Doch ganz allmählich bietet die Regierung den Menschen im Land zunehmend mehr Freiheiten. Nach aktuellen Medienberichten steigt allein die christliche Gemeinschaft in China mit jedem Jahr um eine Millionen Gläubige an. Doch auch andere religiöse Richtungen wie der Taoismus oder der Buddhismus freuen sich über steigenden Zulauf.

Insbesondere die taoistischen Traditionen waren im kommunistischen China verpönt und als Scharlatanerie abgetan. Doch nun öffnet sich die Regierung für die neue Gläubigkeit der Menschen. Wie so oft hat die Toleranz nach Einschätzungen von Menschenrechtlern aber vor allem einen wesentlichen Grund. Die politische Führung hat zum Ziel, die Entwicklungen so gut es geht zu kontrollieren. Darüber hinaus will die Regierung Chinas im Rahmen ihres Vorhabens einer harmonischen Gesellschaft nach eigener Aussage auch die religiösen Bedürfnisse der Menschen als wichtigen Pfeiler des Miteinanders berücksichtigen. Im so genannten Blaubuch der Regionen wird in erster Linie dem Taoismus und dem Buddhismus eine große Entwicklung, ja sogar eine goldene Zeit vorhergesagt.

In den beiden christlichen Amtskirchen in China sind inzwischen offiziell sechs Millionen Anhänger des Katholizismus und insgesamt 23 Millionen Christen kirchlich organisiert. Bisher war von nur vier Millionen katholischen und rund zehn Millionen protestantischen Christen die Rede beim Staatlichen Religionsamt. Dabei sind allein in den Jahren 1993 bis 2002 Studien zufolge mehr als zehn Millionen Menschen zum Christentum konvertiert. Die große Mehrheit der chinesischen Christen gehört zur Altersgruppe der 35- bis 64-jährigen. Etwa 70 Prozent der Protestanten in China sind weiblich.

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