Sacharow-Preisverleihung bringt Regierung Chinas zur Weißglut
By Matthias on Okt 24, 2008 in Sonstige News
Irgendwie war es bedingt absehbar, dass die Wahl des EU-Parlaments bezüglich der Verleihung des Sacharow-Preises für Meinungsfreiheit nicht gerade Stürme der Begeisterung in Peking auslösen würde. Hu Jia, der Auserwählte für den Preis, sitzt schließlich derzeit in China in Haft. Der Bürgerrechter setzt sich seit vielen Jahren für freie Meinungsäußerung in der Volksrepublik ein und ist für sein Engagement mit dreieinhalb Jahren Gefängnis belohnt worden, Anstiftung zum Umsturz der Gewalt heißt der Tatbestand im Juristen-Chinesisch.
Dass sich die Brüsseler Kommission ausgerechnet für den Dissidenten Jia entschieden hat als Empfänger des Preises, sieht man in Peking als regelrechten Affront und eine Einmischung in Angelegenheiten Chinas. Dabei bezieht Hu Jia immer wieder Stellung zu seinen Bestrebungen und sagt, dass er nicht grundsätzlich gegen die Regierung des Landes sei, sondern nur auf Missstände hinweisen will. Engagiert ist der Aktivist sowohl für die Umwelt als auch für Minderheiten im Land wie Behinderte und Aids-Kranke. Die 50 000 Euro, mit denen der Preis dotiert ist, werden vermutlich für weitere Aktionen befreundeter Aktivisten verwendet werden. Kanzlerin Merkel, die derzeit in China weilt, begrüßte die Entscheidung der Kommission ausdrücklich, denn die Bundesregierung setzt sich schon lange für Jias Freilassung ein.
Das ist schon harter Tobak, wenn China die Ehrung eines chinesischen Staatsbürgers als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten sieht. Sollen ausschließlich Chinesen berechtigt sein, Chinesen zu ehren?
Lisa
Lisa | Okt 27, 2008 | Reply